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Ron Scheucher im Interview

Gründer und Mainland-Chef zieht in einem Flash-Interview Bilanz über die bisherige Arbeit und betont sein Ver-ständnis von professioneller Beratung.

Q: Herr Scheucher, Sie haben bisher eine recht ungewöhnliche Berufskarriere durchlaufen. Nach dem Studium lange Zeit Referent im österreichischen Parlament, dann in den 90er Jahren Vertriebs- und Marketing-arbeit, fest verankert im Management des Energiekonzerns Verbund, und schließlich der doch überraschende Absprung in die Consulting-Branche. Was hat Sie damals eigentlich motiviert, dieses Schritt zusetzen?

R.S.: Mir war immer wichtig, gute Projekte mit auf den Weg zu bringen; das galt für das Parlament, wo wir Österreich auf die EU vorbereiteten, ebenso wie für den Verbund, wo die Änderung der Marktbedingungen das Management vor gewaltige Aufgaben stellte. Ich habe, wenn Sie so wollen, durch meinen Wechsel in die Beratung letztlich ein persön-liches Faible zum Beruf gemacht.

Q: Was ist für Sie das besondere an der Arbeit in der Beratung?

R.S.: Es ist für mich insbesonders die Möglichkeit, seine Fähigkeiten punktgenau anzuwenden und das Potenzial des Unternehmens in wenigen Wochen unmittelbar zu beeinflussen. To make a difference. Ein wesentlicher Punkt ist für mich dabei der Umstand, dass der Berater in der Regel erst dann in das Geschehen vor Ort, d.h. im Unternehmen des Kunden, eingreift, wenn die wichtigste Entscheidung von allen bereits getroffen wurde. Diese Entscheidung betrifft die prinzipielle Durchführung eines Projekts. Der Berater kann sich voll auf seine Arbeit mit bzw. für seinen Auftraggeber konzentrieren und damit das tun, wofür er letztlich bezahlt wird. Und das ist die kreative Arbeit am eigentlichen Problem des Unternehmens und nicht Konfliktmanagement.

Q: Ihr Unternehmen besteht nun knapp zwei Jahre. Haben sich ihre Erwartungen erfüllt, die Sie im Jahr 2002 hatten, als Sie als Kompetenz-Center-Leiter aus einem internationalen Beratungskonzern ausgeschieden sind?

R.S.: Die Entwicklung ist eindeutig gegen den wirtschaftlichen Trend verlaufen. Es hat sich wieder einmal bewahrheitet, dass Unter-nehmensgründungen dann besonders erfolgreich sind, wenn sie gegen Ende eines wirtschaftlichen Abschwungs passieren. Dann bleibt genug Zeit, um jene Fragen zu klären bzw. nochmals zu reflektieren, die für den Erfolg im Beratungsgeschäft entscheidend sind: Wo liegen meine Stärken, wo meine Schwächen? Was bedeutet das für das zukünftige Beratungsangebot? Wie muss ich meine Ressourcen dahin gehend strategisch entwickeln? Sich themenmäßig zuviel vorzunehmen, ist nicht gut. Nicht gut für das eigene Unternehmen, nicht gut für potenzielle Kunden.

Q: Was sind für Sie die wichtigsten Prinzipien im modernen Beratungsgeschäft?

R.S.: Ehrlichkeit als erstes Prinzip. Ehrlichkeit natürlich sich selbst und seinen Mitarbeitern gegenüber, noch wichtiger allerdings, Ehrlichkeit dem Kunden gegenüber. Das bedeutet jedoch oftmals auch, klar zu sagen, was nicht umsetzbar ist und stets klar und deutlich auf seine eigene Position im Beratungsprozess hinzuweisen. Wir Berater sind nicht dazu da, Managementverantwortung zu übernehmen, wir sind letztendlich nur jene Ressourcen, die es dem Manager möglich machen, seine Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Als weiteres wichtiges Prinzip, die Regel, dass fachliches Interesse stets vor monetärem Interesse zu gehen hat. Wenn wir uns zu sehr auf die finanzielle Seite unserer Arbeit konzentrieren, sind wir versucht, unsere Dienstleistungen zu sehr zu standardisieren, wodurch wir zunehmend die Möglichkeit verlieren, auf die individuellen Problem-stellungen unserer Kunden einzugehen. Mittel- und langfristig ein Schuss in das eigene Knie. Deshalb hat der Kontext, in dem das betreute Unternehmen steht, in unserer Arbeit bei Mainland stets größte Bedeutung. Es sind letztendlich die speziellen Beziehungen, in denen ein scheinbar bekanntes Problem zu seinem Umfeld steht, die in jedem einzelnen Fall seriöse Beraterarbeit notwendig machen. Natürlich ist auch für Mainland der finanzielle Geschäftserfolg wichtig, als Ökonomen wissen wir jedoch, dass die kurzfristige Profit-maximierung kein langfristiges Optimum garantiert.

 posted 15/05/04

kompetenz
Ron Scheucher:
Gründer und Geschäftsführer